Nikolaikirche
Nikolaikirche Hiddestorf
Die Nikolaikirche ist wohl das ältestes Zeugnis der Hiddestorfer Geschichte. Ein örtlicher Geistlicher ist erstmal 1252 mit dem Priester (sacerdos) Henricus de Hiddestorpe belegt. Im Memorienbuch des Kalands von Pattensen sind – jeweils ohne Jahresangaben – folgende Plebane aus Hiddestorf genannt: Johannes Moser, Johannes, Johannes Lutseke, Herbordus, Arthus Stolle und Hinrick Bitterbose. Letzterer lässt sich urkundlich im Jahr 1490 als kercher to hiddestorpe belegen. Zwischen 1426 und 1428 hatte sich der Mindener Kleriker Theodericus Peping bemüht, die Pfarrpfründe Hiddestorf zu erlangen.
Im Fürstentum Calenberg führte Herzogin Elisabeth von Calenberg-Göttingen († 1558) die Reformation als Vormund ihres minderjährigen Sohnes Erich ein. 1542 setzte sie die von Antonius Corvinus verfasste Kirchenordnung in Kraft und 1542/43 ließ sie die Gemeinden, Stifte und Klöster des Fürstentums visitieren. Als erster luth. Prediger in Hiddestorf gilt der im Visitationsprotokoll genannte P. Hermann Picker (Amtszeit 1542–1550). Gemeinsam mit Jost Knigge war die Kirche Hiddestorf seinerzeit im Besitz des dörflichen Untergerichts und des Dorfkrugs („Item das gericht im Dorfe vnd die krug höret zu der kirchen und Jost kniggen“).
Nachdem Elisabeths nunmehr volljähriger Sohn 1545 als Erich II. († 1584) die Regierung im Fürstentum Calenberg übernommen hatte, wechselte er 1547 zum katholischen Glauben. Die Calenbergischen Stände widersetzten sich Erichs Rekatholisierungsbestrebungen und konnten 1553/55 die Beibehaltung der lutherischen Lehre sicherstellen.
Nach dem Tod Erichs II. fiel das Fürstentum Calenberg 1584 an Braunschweig-Wolfenbüttel und Herzog Julius († 1589) führte seine 1569 aufgestellte Kirchenordnung auch hier ein. 1588 ließ er die Gemeinden visitieren.
In Hiddestorf hatte P. Lorenz Schlüter (Amtszeit 1575–1605) das Pfarramt inne. Die Gemeinde hatte ihn berufen, zunächst um „dem Vorgänger in seiner Schwachheit“ zu helfen. Hinsichtlich seiner theologischen Kenntnisse beurteilten ihn die Visitatoren als mittelmäßig (Examen: mediocriter). Im Protokoll ist zudem vermerkt, dass Ohlendorf zum Kirchspiel gehöre und keine eigene Kapelle besitze.
In die Amtszeit von P. David Christoph Heimann (Amtszeit 1724–1761) fiel 1740 der Bau eines neuen Pfarrhauses. Nachdem P. Ernst Wilhelm Gottfried Gehrold (Amtszeit 1905–1929) emeritiert worden war, blieb die Pfarrstelle Hiddestorf vakant. Die pfarramtliche Versorgung übernahmen die Pastoren der Nachbargemeinden oder Hilfsgeistliche.
Zwei der vier 1933 neugewählten Kirchenvorsteher gehörten der NSDAP an, wie Pfarrkollaborator Ernst Ludwig Meyer (Amtszeit 1941–1947) im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ schrieb. Nach der Visitation 1939 merkte der Pattenser Superintendent an, das kirchliche Leben in Hiddestorf sei seit Beginn der Vakanz „ohne Zweifel erheblich zurückgegangen“. Er regte eine Verbindung mit der ebenfalls unbesetzten zweiten Pfarrstelle Pattensen an, zu der es jedoch nicht kam.
Im Jahr 1939 zählte die Kirchengemeinde Hiddestorf insgesamt 720 Gemeindeglieder. Aufgrund des Zuzugs Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs stieg diese Zahl deutlich an und lag 1954 bei knapp 1.200. Gleichzeitig war eine kleine katholische Gemeinde entstanden, die sich regelmäßig zur katholischen Messe in der evangelischen Kirche Hiddestorf versammelte (seit 1946 alle drei Wochen, 1954 jeden Donnerstag; 1954 knapp 230 Gemeindeglieder).
Mit P. Konrad Müller (Amtszeit 1953–1961) erhielt die evangelische Gemeinde Hiddestorf wieder einen eigenen Pfarrer. Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche knüpfte die Kirchengemeinde Hiddestorf Kontakte zur Kirchgemeinde Klaffenbach im Erzgebirge.
Seit 1975 war die Pfarrstelle mit anderen landeskirchlichen Aufträgen kombiniert (Stellenanteil 50 Prozent).
1983 beschrieb der Pattenser Superintendent Hiddestorf und Ohlendorf als „relativ geschlossene Ortschaft“, in der „das kirchliche Leben sehr stark im Ort“ geschehe. Zum 1. Oktober 1990 wurde die Pfarrstelle in eine halbe Stelle umgewandelt.
Aufsichtsbezirk
Archidiakonat Pattensen der Diözese Minden. Hiddestorf unterstand ab 1542 dem Superintendenten des Fürstentums Calenberg-Göttingen. 1589 zur neu errichteten Inspektion Jeinsen. 1759 zur Inspektion Neustadt Hannover, 1784/85 zur Inspektion Ronnenberg. 1794 zur neuen Inspektion Pattensen. 1924 Kirchenkreis Pattensen, 1972 Kirchenkreis Laatzen-Pattensen, 2001 Kirchenkreis Laatzen-Springe.